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Eine Geschichte von Schnee und Eis

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Ewald Essing, 65 Jahre, lebt allein in einer kleinen 2 Zimmerwohnung auf einem alten Bauernhof mitten auf dem Land zwischen Handorf und Telgte. Nach zwei Schlaganfällen übernahm die Diakonie mobil vor zwei Jahren die Versorgung und erfüllte Herrn Essing damit seinen größten Wunsch: in seinem eigenen Zuhause zu bleiben. Dreimal kümmern sich Mitarbeitende um die pflegerische Versorgung, zwei Mal wöchentlich eine Hauswirtschaftskraft. Zusätzlich kommt eine Ergotherapeutin ins Haus. Mittags versorgt ihn ein mobiler Lieferdienst mit warmem Essen. So weit, so gut – bis zum 7. Februar, als Massen an Schnee im Münsterland vom Himmel fielen…

Ehepartner von Pflegekraft macht mobil!

Nach dem einsetzenden Schneefall kam der Pflegedienst zur Versorgung nicht mehr über die stark verschneiten Straßen in die Bauernschaft. Nachbarn oder Freunde, die notfallmäßig hätten angefragt werden können, standen nicht zur Verfügung. Frau Kosinski von den ambulanten Seniorendiensten der Diakonie Münster handelte kurzentschlossen. Ihr Ehemann, Busfahrer und am Sonntag wegen des starken Schneefalls nicht im Einsatz, besorgte sich über seinen Arbeitgeber ein Fahrzeug, mit dem es möglich war durch und über die Schneemassen zu fahren. Er fuhr seine Frau mit dem geliehenen Fahrzeug zur Versorgung der Patienten durch die verschneite Bauernschaft. Auch am Montagmorgen sorgte Herr Kosinski dafür, dass seine Frau die Versorgung und Pflege von Herrn Essing und weiteren Patienten gewährleisten konnte.

Reibungslose Zusammenarbeit

Als mein Dienst (als rechtliche Betreuerin im Betreuungsverein der Diakonie Münster) am Montag begann, war ich erst einmal beeindruckt von so viel Engagement und selbstlosem Handeln. Dann ging es darum, die Versorgung auch für die nächste Zeit sicherzustellen, da das Fahrzeug des Arbeitgebers nur bis zum Montagmittag zur Verfügung stehen würde. Nachdem ich mit der Feuerwehr der Stadt Münster telefoniert hatte und jemanden aus der Leitstelle mir zu sagte, dass man Herrn Essing mit den zur Verfügung stehenden Fahrzeugen vom Hof holen kann, musste ich eine Einrichtung finden, den Patienten für eine kurze Zeit aufnehmen kann. Nach vielen ergebnislosen Telefonaten empfing Herr Brünen vom Martin-Luther-Haus mich mit den Worten: „Frau Beimann, warum rufen sie mich denn nicht zuerst an? Da machen wir doch gemeinsam was möglich.“ Und auch hier stieß ich wieder auf großes Engagement. Insbesondere an einem Tag, an dem wegen des Wetters nicht alle Mitarbeitenden der Einrichtung zum Dienst kommen konnten oder sogar in der Einrichtung geschlafen hatten, um die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner sicherzustellen. Es wurde kurzerhand ein Zimmer gefunden und geputzt, damit Herr Essing dort versorgt werden kann.

Ich bin tief beeindruckt vom selbstlosen Handeln der Eheleute Kosinski. Herr Essing hätte sich aufgrund seiner eingeschränkten Mobilität selbst nicht helfen können. Auch die Nachbarschaftshilfe hat Grenzen. Zudem wäre die notwendige medizinische Versorgung nicht gewährleistet gewesen.

Das Selbstverständnis des Martin-Luther-Hauses, Herrn Essing in dieser Notsituation aufzunehmen, ist eine tolle Erfahrung und von großer Dankbarkeit begleitet.

Eben GUT FÜR MENSCHEN.

 

Autorin: Nicole Beimann, rechtliche Betreuerin